Deutsche Bambustage
Über Bambus

Über Bambus

Bambus – Material der Zukunft

2009 wurde zum ersten Mal der Welt-Bambustag ins Leben gerufen, um das außergewöhnliche Riesengras Bambus und seine Bedeutung als nachwachsende, natürliche Ressource für unsere Zukunft zu feiern. Seit 2016 ist der Bambus über die World Bamboo Organization (WBO) anerkannter Teil der weltweit größten Nachhaltigkeitsinitiative, des Pakts United Nations Global Compact (UNGC). Die Pflanze und ihre Anwendungen unterstützen die weltweit angestrebten 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG).
Die Deutschen Bambustage zeigen auf, welche Möglichkeiten der Bambus für Wirtschaft, Forschung und insbesondere für die Baubranche eröffnet, und welche Zukunft der Bambus auch für Deutschland bieten könnte.

Was ist Guadua?

In Kolumbien sind ganze Landstriche mit Guadua-Bambus überzogen. Er bildet sogenannte Guaduales, Bambushaine, die vereinzelt oder entlang von Flüssen, in Tälern, zwischen Kaffeesträuchern und neben Bananenstauden wachsen. Wegen ihres hellen Grüns kann man diese Bambusart schon von weitem erkennen, ob auf den Hochebenen oder an den Hängen der Kordilleren, der drei Gebirgszüge, die sich durch Kolumbien ziehen. Aus der frühen Kolonialzeit findet man heute noch Bezeichnungen wie Cañas gordas – Dickes Gras. Chinesische Ingenieure sollen in den neunziger Jahren herausgefunden haben, dass die Sorte Guadua der statisch belastbarste Bambus sei. Der deutsche Botaniker Karl Sigismund Kunth (1788-1850) katalogisierte ihn – unter seinem offiziellen botanischen Autorenkürzel Kunth – als Guadua Angustifolia Kunth. Er wertete viele Jahre die Guadua-Proben aus, die Aimé Bonpland und Alexander von Humboldt aus Südamerika nach Berlin und Paris gebracht hatten

Am Anfang steht ein großes Fragezeichen:  Warum mit Bambus bauen?

Lokale Identität
Die Mehrzahl der Bauten in Äquatornähe weisen keine lokale Identität auf. Der Wunsch nach Globalisierung tritt in den Vordergrund. Vermutlich werden Lösungen zuerst außerhalb des eigenen Landes gesucht und dabei lokales Potential vergessen oder unterbewertet. Mit dieser besonderen Bambusart, aber auch mit anderen, verwandten Arten, hatte schon die Urbevölkerung im nördlichen Südamerika Bauten errichtet. Tonschalen, die bis zu 3400 Jahre alt sind, zeigen solche Gebäude, die lange vor den spanischen Eroberungszügen entstanden. Im kolumbianischen Kaffeeanbaugebiet findet man heute noch Kirchen, die vor 170-220 Jahren in ihrer Grundstruktur aus Guadua erbaut und mit Lehm ausgefacht, verputzt und dann mit Kalk weiß gestrichen wurden. Gegen die Überflutung durch moderne Baumaterialien konnte sich der Guadua-Bambus jedoch nicht durchsetzen. Als Baumaterial spielte er bis vor kurzem keine große Rolle. Aber das ändert sich mittlerweile zügig. Nicht nur in Kolumbien. Seitdem man sich mit ihm auseinandersetzt, findet der Bambus weltweit immer mehr Anerkennung, seine Vorteile werden erkannt und wertgeschätzt.

Vielfalt bei der Konstruktion

Bambus ist von Asien über Afrika und Südamerika bis hin nach Australien beheimatet. Entsprechend vielseitig sind seine Arten und Unterarten. Die Halme wachsen gerade und gebogen, schief und krumm. Einige sind kleiner und dicker, andere dafür größer und dünner. Sogar in ihrer Farbe sind sie unterschiedlich. Man kann sich also die enorme Bandbreite an Gestaltungsmöglichkeiten vorstellen, die die inhärente Natur des Materials Bambus ermöglicht. Momentan wird eine enorme Palette von einfachsten Pfosten-Riegel-Konstruktionen bis hin zu komplexen mehrstöckigen Gebäuden über Hallen aus Raumfachträgern, konstruktiven Bögen und Raum-Gitterschalen realisiert.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit
Der Einsatz von Bambus im Bereich Ökologie und Ökonomie hilft bei der Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung, die die Vereinten Nationen verabschiedet haben (Sustainable Development Goals, SDGs).
Mit dem Anbau von Bambus werden Wassereinzugsgebiete und vernachlässigte Landstriche wiederbelebt. Diese Pionierpflanze ist in der Lage, angrenzende Nutzpflanzen auf natürliche Weise mit Wasser zu versorgen, ist also gemäß SDG ein Muss für die neue ökologische Ausrichtung. Dazu gehört der Bambus zu den 5 Pflanzengattungen, die CO2 über Photosynthese am meisten binden und absorbieren.

Zukunft

Seit einigen Jahren wird mit Bambus erfolgreich experimentiert, um neue Produkte für zahlreiche Lebensbereiche herzustellen. Entwickelt und ausgeführt werden dekorative Schalen und Möbel bis hin zu vorgefertigten Platten und Bindern für den konstruktiven Hochbau. Und dabei sind die technischen Möglichkeiten bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Wir befinden uns erst am Anfang einer langen Reise. Das Bambuszeitalter hat begonnen! Eine gute Voraussetzung für Ökologie, Wohlstand und Frieden – und eine geniale Möglichkeit, globale Partnerschaften aufzubauen!